ADHS und Drogenkonsum
Jugendliche mit ADHS probieren nicht nur häufiger Substanzen aus, sie entwickeln auch häufiger Probleme damit – das Risiko für eine Substanzgebrauchsstörung ist mehr als doppelt so hoch. Der Grund: Ein ADHS-Gehirn braucht mehr Reize, damit Dopamin überhaupt ankommt. Substanzen wie Cannabis, Alkohol oder Stimulanzien füllen kurzfristig genau diese Lücke.
„Ich habe mit meinem Therapeuten darüber geredet – er meinte, viele ADHSler oder neurodivergente Menschen rauchen, weil es einfach Ruhe im Kopf schafft. Ich kann meine Gedanken dann besser einordnen und bin nicht so vollgeladen.“
Anna (23) – ehemals polysubstanzabhängig
Du fragst dich: Warum kiffen eigentlich alle mit ADHS? Und wir fragen uns: Was ist eigentlich dran an der Korrelation ADHS und Drogenkonsum?
It’s a match made in... na ja, nicht Heaven. Jugendliche mit ADHS probieren nicht nur häufiger Substanzen aus – sie entwickeln auch häufiger Probleme damit. Das Risiko für eine Substanzgebrauchsstörung ist bei ADHS mehr als doppelt so hoch. Vor allem Weed hittet hart: Ungefähr jede vierte Person mit ADHS ist irgendwann Cannabis-abhängig.
Und warum? Kurze Erinnerung an die Neurotransmitter: Dopamin entscheidet mit, was dein Hirn gerade wichtig findet. Nur: Bei Peops mit ADHS wird es schneller abgebaut. Ein ADHS-Gehirn braucht mehr Reize, damit überhaupt was ankommt. Zwei Stunden zocken, programmieren oder malen? Easy. Eine Mail beantworten oder die Wäsche aufhängen? Endgegner. Und dein Hirn sucht mehr Input: das Reel, der Impulskauf, der Kaffee und die Kippe... Alle jagen wir Dopamin. Der Unterschied? Was für viele der Extra-Kick ist, fühlt sich bei ADHS oft wie Grundversorgung an.
Hier kommt ein Cheatcode ins Spiel: Du drehst das Signal lauter, mit Speed, Koks, Koffein. Künstliches Dopamin und künstliches Noradrenalin = künstlicher Fokus. Dein Gehirn läuft. Und wenn du übersteuerst, wenn’s zu schnell, zu laut, zu wach wird, wenn aus Fokus Reizüberflutung wird, greifst du zu Gras oder Alkohol, um den Kopf zu beruhigen.
Kiffen stoppt dein Overthinking, dämpft die Reizüberflutung, lässt dich endlich einschlafen. Alkohol beruhigt und killt die Angst vor Ablehnung. Und Amphetamine oder Koks? Machen bei ADHS das komplette Gegenteil von dem, was sie bei allen anderen machen – statt wach und hyper, wirst du fokussiert und ruhig. Weil sie genau die Lücke füllen, die Dopamin hinterlässt. So funktioniert Selbstmedikation. Kurzfristiger Relieve auf die 1 – denkt zumindest dein Kopf. Aber: Je besser eine Droge deinen Need trifft, desto schwerer kommst du wieder von ihr weg. Aus Selbstmedikation wird Gewohnheit. Aus Gewohnheit wird Abhängigkeit.
Was dir am Anfang gegen Angst geholfen hat, kann später selbst Angst auslösen – und mehr. Cannabis kann zum Beispiel Panik und Psychosen triggern. Alkohol Depressionen verstärken. Stimulanzien machen Schlafprobleme, Reizbarkeit und psychische Krisen oft noch schlimmer. Und wer Traumata mit Drogen betäubt, verarbeitet sie oft nicht, sondern schleppt sie noch länger mit sich rum.
Eine belastete Psyche macht Konsum wahrscheinlicher. Und Konsum macht die Psyche kaputter. Fassen wir den Bums zusammen: Symptomlinderung ist nur ein anderes Wort für Selbstmedikation. Und Selbstmedikation ist der schnellste Weg, um aus einem Problem zwei zu machen.
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