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Mischkonsum

Mischkonsum: Alkohol, Upper & Downer im Mix

22:49 Uhr. Stop: Club. Bissi Koks zur Motivation zuhause. Auf dem Weg zwei Shots, Wegbier, Wodka Mate. Reingeschafft? Es gibt nen Secco, weil Max Geburtstag hat. Ihr schmeißt ne Emma als Welcome-Upper. Später paar Lines Speed, weil die Beine müde werden. Sechs Substanzen, eine Nacht, null Überblick. Ihr orgelt euch rein, worauf ihr gerade so Bock habt. Stück für Stück. Was zum Lockermachen. Was zum Tanzen. Was gegen die Müdigkeit. Und dann sind wir wieder hier:

05:37 Uhr. Paula zittert, steht voll neben sich und kommt nicht klar. Erste Diagnose aus der Hobby-Notaufnahme: „Scheiße, die Pille war safe gestreckt.“ Kann sein. Muss aber nicht. Dazu später mehr.

Paula hat gerade schon nen ganz anderes Problem. Alkohol. Cannabis. MDMA. Koffein. Nikotin. Speed. Kokain. Dazu 29 Grad bei Luftquali Warnzeichen, stundenlang durchgedanct, Schlafmangel, Diät Kühlschrankkippe und mehrfach nachgelegt. Wie gefährlich das sein kann, gucken wir uns jetzt an:

Wenn du mehrere aufputschende Substanzen gleichzeitig nimmst, addiert sich die Belastung. Speed, Mephe, MDMA, Koks & Co. treiben Puls, Blutdruck und Körpertemperatur nach oben – und wenn alles gleichzeitig ballert, ist Überlastung vorprogrammiert. Du fühlst dich fitter, wacher, krasser. Das Ding: Müdigkeit, Hunger und Erschöpfung verschwinden nicht. Sie werden nur übertönt. Du fühlst dich noch gut, während dein Körper längst auf Notbetrieb läuft. Mehr macht deinen Akku nicht voller – du siehst nur nicht mehr, wie leer er ist. Und dann wird aus „eine Line geht noch“ „gar nichts geht mehr“.

Kurze Sidequest zum Term Mischkonsum, bevor wir dir gleich erklären, warum Koks und Alkohol in deiner Leber plötzlich ihr eigenes Chemieprojekt starten. Mischkonsum heißt nicht, dass du dir zwei blaue Punisher, eine Xanax und ne Line Mephe gleichzeitig reinzimmern musst. Mischkonsum ist auch dann Mischkonsum, wenn du verschiedene Substanzen nacheinander einwirfst, buffst und ziehst. Die Line Stunden nach dem Shot zählt also genauso zum Mix, wie der Punisher und die Xanny. Und Alkohol zählt sowieso immer. Ja, auch das halbe Sterni Fußpils von vorhin. Medikamente auch. Antidepressiva, ADHS-Medis, Schlaf- und Schmerzmittel verschwinden nicht aus deinem Körper, nur weil du sie morgens genommen und nicht in einem Baggie gekauft hast.

Dein Körper jongliert diesen Mix ungefähr so souverän wie ein betrunkener Waschbär sechs Melonen auf einer Rolltreppe. Denn die Wirkungen laufen nicht ordentlich nebeneinander her. Sie können sich gegenseitig verstärken, verändern oder verdecken.

Und manchmal macht dein Körper daraus sogar ne Substanz, die du gar nicht genommen hast. Treffen Kokain und Alkohol in der Leber aufeinander, kann ein neuer Stoff entstehen: Cocaethylen – kein harmloses Abfallprodukt, sondern selbst eine Droge. Sie wirkt ähnlich wie Kokain, bleibt aber länger im Blut. Übersetzt: Der Rausch kann schon nachlassen, während dein Herz noch Aftern geht. Studien aus Notaufnahmen und Untersuchungen von Todesfällen zeigen: Die Kombi verursacht häufiger schwere Herzprobleme als Koks allein. Ob dich die Info abhält, ist dein Ding, deine ungefragte Plus-eins Cocaethylen kennst du jetzt auf jeden Fall.

Das Beispiel zeigt ganz gut: Nur weil du weißt, wie beide solo ballern, weißt du noch lange nicht, wie beide zusammen ballern.

Zurück zur Party: Es ist 08:03 Uhr. Die Sonne geht auf. Du willst runter. Aber: Das Speed hat andere Pläne: Dein Kiefer macht Crunches, im Kopf sind 47 Tabs offen und keiner davon lädt. Dein Körper schreit Bett, aber dein Nervensystem steht immer noch vorne links. An Schlaf ist nicht zu denken. Bis irgendwer sagt: „Nimm doch ’ne Tavor.“ Upper mit Downer ausgleichen. Klingt logisch. Ist es aber nicht.

Die Idee? Speed regelt hoch. Tavor regelt runter. Plus minus null. Körper zurück auf Werkseinstellung. Das ist leider kompletter Cap: Eine aufputschende und eine dämpfende Substanz canceln sich nicht einfach gegenseitig. Du fühlst dich entspannter, müder, weniger on Edge, aber Herz und Kreislauf machen Überstunden bis zum Burnout.

Und andersrum können Speed, Koks & Co. deine Betrunkenheit einfach überspielen. Quasi Nüchtern-Filter auf Anfrage: Du fühlst dich fit, klar, ansprechbar – bist aber immer noch genauso stralle wie vor der Line. Du merkst es nur nicht.

Das Krasse? Die Feierlaune kickt, Karaoke wirkt nicht mehr wie die dümmste Idee der Welt und du schickst deinem Crush ne Sprachnachricht – Man könnte meinen: Alk pusht. Tut er aber nicht. Smirnoff, Desperados, Vodka Soda & Co. sind auf Körperebene Downer – also sedierende aka dämpfende Substanzen. Erst bauen sie Hemmungen ab, danach Reaktion, Koordination, Bewusstsein und Atmung.

Addierst du zum Alkohol ne Tavor, potenziert sich die dämpfende Wirkung. Doppelte Vollbremsung. Blackout. Kotzen. Wegkippen. Bis zum Atemstillstand. Minus mal Minus ergibt Plus… im Matheheft. Im echten Leben wird das Minus einfach immer fetter. Worst-Case? Aus Runterkommen wird nie mehr Hochkommen. Deshalb gilt bei Downern immer: nicht mixen. Alkohol, Benzos, Keta, GHB/GBL, Opioide – Kombis aus dämpfenden Substanzen sind gaga gefährlich.

Nochmal für’s Notizbuch: Upper + Upper: mehr Belastung. Downer + Downer: riskant viel Dämpfung. Upper + Downer: canceln sich nicht. Die einzige Rechnung, die hier wirklich aufgeht: weniger Mix = weniger Risiko. Und damit musst du nie wieder über ne E-Funktion nachdenken.

Quellen
  1. van Amsterdam, J., Gresnigt, F., & van den Brink, W. (2024). Cardiovascular Risks of Simultaneous Use of Alcohol and Cocaine: A Systematic Review. Journal of Clinical Medicine, 13(5), 1475.