Spiking & K.-o.-Tropfen erkennen
Im Club. 03:47 Uhr. Finn schmeißt ne Runde Mate für die Crew. Mausi. Was Finn nicht sagt? Die Mate hat ne Beigabe: MDMA für alle. Berliner Schorle.
Finn ist keine Mausi und der Extra-Shot in der Cola nicht okay. Weil: Er erfüllt die gleichen Kriterien. Heimlich Alkohol nachkippen ist Spiking – genauso wie Emma in der Bowle.
Du denkst beim Wort „K.O.-Tropfen“ an GHB im Glas und shady Typ im Hoodie? Die Datenlage sieht anders aus: In Oslo wurden beispielsweise 100 Menschen mit Spiking-Verdacht toxikologisch getestet. Bei 15 fanden sich Substanzen, von denen die Betroffenen nichts wussten – Benzos, MDMA, Amphetamin, THC, Tramadol und Kokain. Aber kein GHB. Heißt nicht, dass es GHB-Spiking nicht gibt. Heißt nur: Spiking sieht oft anders aus als gedacht.
K.O.-Tropfen erkennen? Leider nicht so easy. Für Spiking kommt nämlich nicht nur eine Substanz infrage. Sondern ziemlich viele. Und die können komplett unterschiedlich wirken: Manche machen müde, benommen oder bewusstlos, andere pushen, machen unruhig oder aufgekratzt. Dazu kommt: Spiking ist omnichannel. Drink, Line, Vape – manipuliert werden kann mehr als dein Cocktail. Manche Substanzen könntest du schmecken, riechen oder sehen, andere merkst du gar nicht. Dein Drink sieht normal aus? Schön für dich. Sicher macht ihn das nicht. Und bevor du jetzt Just Jonas mit Testarmband spielst: Auch Teststreifen und Co. sind kein magischer Scanner. Sie erkennen nur bestimmte Stoffe, können Sachen übersehen oder falschen Alarm schlagen. Der wichtigste Check seid deshalb immer noch ihr selbst. Pass auf dich und deine Friends auf. Und reagier, wenn was komisch wirkt.
Der Drink schmeckt different? Die Line hittet anders? Deine Freundin kippt plötzlich komplett weg, obwohl sie kaum getrunken hat? Sie ist verwirrt, kann kaum stehen oder erinnert sich an nichts? Was jetzt? Den Spiking-Verdacht ernst nehmen und ab in die Rettungsstelle. Hier wirst du behandelt, nicht verhört. Und: Tempo zählt. Eine schnelle medizinische Abklärung kann für einen möglichen Nachweis wichtig sein. Denn: Viel Shit ist nur kurz nachweisbar. Und die Polizei? Wird nur eingeschaltet, wenn du das willst.
- Dalaker, V. M., et al. (2024). Drugs in blood and urine samples from victims of suspected exposure to drink spiking: A prospective observational study from Oslo, Norway. PLOS ONE, 19(7), Art. e0306191.
- Bendau, A., et al. (2025). Spiking versus speculation? Perceived prevalence, probability, and fear of drink and needle spiking. Journal of Drug Issues, 55(1), 89–103.
