Warum nehmen Leute Drogen?
Ein Bier, um locker zu werden. Ein Joint, um einzuschlafen. Eine Xanax, damit der Kopf endlich die Fresse hält. Drogen sind ein Cheatcode für dein Nervensystem – sie lassen es hoch- oder runterfahren. Dabei geht's längst nicht nur um Party und Rausch, sondern oft um Selbstmedikation: Ruhe, Schlaf, Fokus oder Nähe.
„Wir müssen uns eigentlich die Frage stellen, warum Menschen Drogen einnehmen. Es ist ja nicht die Substanz am Ende, die das Gefährliche ist, sondern dass jemand überhaupt danach greift. Viele fühlen sich überfordert, haben psychische Ängste, können nicht mehr abschalten.“
Prof. Dr. Hendrik Streeck, MdB – Beauftragter der Bundesregierung für Sucht und Drogen
Du hast nie gelernt, wie sich Wärme, Geborgenheit, Ruhe anfühlt? Dein Glaubenssatz ist „du bist nicht gut genu-hu-hu-hu-hug“ und irgendwas ist einfach immer „off“? Am Wochenende ballerst du Lines wie Zombies bei Fortnite und unter der Woche gibt’s nen Joint zum Einschlafen. Irgendwann probierst du was Härteres und es macht Klick. Match gefunden, Loch gestopft. Tinder, für deine Neurochemie.
Drogen sind ein Cheatcode für dein Nervensystem. Sie lassen es hoch oder runterfahren. Du neigst zu Overthinking und dein Kopf soll einfach mal die Fresse halten? Ein Bier macht lockerer, ein Joint ruhiger und 'ne Tavor schließt 27 open Tabs. An Schlaf ist trotzdem nicht zu denken: Während andere Schäfchen zählen, zählst du Geld, peinliche Situationen von vor drei Jahren und die Nachrichten an deinen Ex. Z-Drugs helfen – Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon. Und nächsten Montag ist 'ne Hausarbeit fällig. Say no more: Wir machen Nachtschicht mit Speedy Gonzalez, Coca Jambo, Pep Guardiola und dem roten Büffel. Mehr leisten, länger funktionieren. Schreibblockade? Microdosing Magic Mushrooms oder 'ne Pappe LSD. Und nach der Abgabe endlich mal wieder richtig freischießen. Du poppst 'nen Secco, schluckst 'ne E und ziehst Pferdebetäubungsmittel. Manche Substanzen geben dir das Gefühl, dazuzugehören. Andere machen alles bisschen lauter, bunter, geiler. Du fühlst mehr. Aber manchmal willst du weniger. Tilidin, Tramadol & Oxycodon – Tavor, Valium & Xanax packen dich und deine Emotionen in Watte.
Bevor wir gleich nen Deep Dive zu Benzos & Co. machen, einmal ganz kurz die Grundlagen: Dein Gehirn ist basically ein riesiger Gruppenchat. Milliarden Nervenzellen schicken sich nonstop Nachrichten hin und her. Dafür benutzen sie chemische Botenstoffe aka Neurotransmitter. Die regeln, ob du müde oder wach bist, dich entspannt oder gestresst fühlst, Schmerzen wahrnimmst, ob du um 22 Uhr noch die Hausaufgaben machst oder du lieber Revenge-scrollst. Drogen greifen in das System ein und verändern, welche Signale wie laut ankommen.
Benzos zum Beispiel verstärken die Wirkung von GABA. Mit GABA meinen wir nicht das, sondern den Neurotransmitter. Der ist vergleichbar mit einer Bremse für's Gehirn: weniger Stress, weniger Angst, weniger Aktivität. Du wirst ruhig und müde. Kokain und Speed treten auf’s Gaspedal – mit Vollgas über Rot. Dabei spielt vor allem Dopamin eine Rolle: Dopamin signalisiert deinem Gehirn: Das war nice, mehr davon. Gleichzeitig steigt dein Noradrenalin. Du bist wacher, fokussierter und fühlst dich bereit für alles. Der Haken: Dein Körper schaltet auf Alarm um – auch wenn's gerade gar nichts gibt, wovor er dich beschützen müsste. Auch Gras und Opioide wirken nicht einfach irgendwo im Gehirn. Dein Körper hat dafür eigene Systeme: Er produziert selbst Cannabinoide und Opioide, die zum Beispiel Schmerzen regulieren, Stress abfedern oder dir helfen runterzufahren – und genau hier docken Gras, Tilis, Trama und Co. dann an.
Drogen erfinden also keine neuen Gefühle – sie kapern einfach Systeme, die dein Körper eh benutzt.
- BOJE-Kurzbericht (Bundesministerium für Gesundheit). Prävalenzen Benzodiazepine und medizinische Opioide bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. (Hinweis: Deckt nur die Benzo-Prävalenzzahl ab, nicht die weiteren Einordnungen in diesem Artikel — die konkrete Textstelle findet sich im Artikel „Xanax: Wirkung und Nebenwirkungen“.)
