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Grundlagen

Warum werden manche süchtig und andere nicht?

Ob aus Konsum eine Sucht wird, hängt nicht von einer einzelnen Sache ab, sondern von einem Zusammenspiel aus Substanz, Vulnerabilität, Genen, Geschichte und Konsummuster. Nicht jede Droge macht gleich süchtig, und nicht jede Person reagiert auf dieselbe Substanz gleich. Das Warnsignal ist deshalb nicht nur, wie oft du konsumierst – sondern wofür, und wie gut es funktioniert.

Die Anfälligkeit für Sucht ist kein festes Persönlichkeitsmerkmal. Ob sich eine Abhängigkeit entwickelt, hängt von ganz vielen Faktoren ab – auch davon, wie sehr das, was eine Substanz gibt, mit dem zusammenpasst, was die Person gerade braucht.

Dr. Antonia Bendau – Psychologin, Charité

“Du willst wissen, wie hoch dein persönliches Suchtrisiko ist? Hier geht’s zum Test.”, würden wir sagen, wenn uns Clickbait wichtiger wär als Wissenschaft.

Aber: Kein Online-Quiz und kein Gehirnscan können dir zuverlässig sagen, wie wahrscheinlich du abhängig wirst. Ob aus Konsum Sucht wird, hängt nicht von der einen Sache ab – es ist ein Zusammenspiel aus verschiedenen Aspekten. Von der Substanz, der Vulnerabilität über deine Gene und Geschichte bis hin zum Konsummuster. Und das alles erklären wir dir jetzt.

Starten wir bei der Substanz: Nicht jede Droge macht gleich süchtig. Dein Gehirn liebt vor allem eins: schnelle Belohnung. Kommt der Kick sofort und ist genauso schnell wieder weg, schreit dein Kopf: “Noch mal. Noch mal. Noch mal.” Deshalb gehören Heroin, Crack oder Nikotin zu den Substanzen mit dem höchsten Abhängigkeitspotenzial überhaupt.

Aber nicht jede Person reagiert auf dieselbe Droge gleich. Wie du reagierst, entscheidet auch deine Vulnerabilität. Deine Vulnerabibi-was? Das Wort klingt wie Bio-LK Endgegner, beschreibt aber nur, wie anfällig du dafür bist, problematischen Konsum zu entwickeln. Dabei mischen unter anderem Gene, psychische Belastungen, Familie, Umfeld und Stress mit.

Ein Teil des Risikos ist erblich, ja. Aber: Es gibt nicht das eine Sucht-Gen, das bei deiner Geburt entscheidet, was mal aus dir wird. Vererbt werden eher Eigenschaften wie Impulskontrolle, Belohnungsverarbeitung oder der Umgang mit Stress. Gibt es in deiner Familie schon Suchterkrankungen, steigt dein eigenes Risiko. Aber Gene sind nur ein Teil der Story: Gene, Familie, Neurobiologie – alles zusammen bestimmt, wie intensiv du Stress, Belohnung, Unsicherheit & Co. fühlst. Und das entscheidet wiederum mit, wie effektiv bestimmte Substanzen bei dir wirken.

Je besser eine Droge dein Problem löst, desto eher wird sie selbst zum Problem. Genau deshalb erhöhen chronischer Stress, traumatische Erfahrungen, Einsamkeit oder emotionale Überforderung das Suchtrisiko. Weil Substanzen kurzfristig ziemlich effektiv darin sein können, genau diese Belastungen auszublenden. Das Warnsignal für eine Abhängigkeit ist deshalb nicht nur, wie oft du konsumierst. Sondern wofür. Und wie gut es funktioniert.

Zusammengefasst: Je größer dein Problem und je stärker die kurzfristige Erleichterung, desto attraktiver die Droge. Wiederholt wird nicht nur, was sich gut anfühlt. Sondern vor allem das, was genau die Gefühle ausschaltet, auf die du gerade nicht klarkommst. Deshalb ist die gefährlichste Substanz für dich nicht immer die stärkste – sondern manchmal auch die, die dein Problem am effektivsten löst.

Klingt abstrakt? Machen wir's konkret: Freitagnacht mit deinen Friends. Sekt zuhause, Uber zum Club, Wegbier für die Schlange, Shots an der Bar, ne Emma zum Tanzen und ne Skinny für Hydration. Ihr werdet müde und legt nach: ne Line Schnee auf’m Klo und ab geht‘s. Du gehst pennen, der Emo-Kater ist mies, aber Brunch und Flohmi richten. Dein nächstes Mal Ballern: In 5 Monaten auf’m Feel. Deine Freundin geht pennen, der Emo-Kater ist mies, und nichts richtet. Ihr nächstes Mal Ballern: Montag nach dem Lunch, der Agenturpitch muss fertig werden und sie hält den Stress nicht aus.

Zwei Leute. Derselbe Abend. Dieselben Drogen. Komplett anderes Ergebnis. Warum? Weil nicht nur zählt, was du nimmst. Sondern auch: Wie oft? Wieviel? Allein oder mit anderen? Nur auf Partys? Oder doch, um zu schlafen, zu arbeiten, runterzukommen, durch den Tag zu kommen? Brauchst du’s mehr? Brauchst du’s öfter? Brauchst du’s unter der Woche?

Am Anfang ballerst du, um dich besser zu fühlen. Irgendwann, um dich nicht schlecht zu fühlen. Spätestens, ab jetzt hast du ein Problem.

Und vorher? Woran kannst du erkennen, dass es kippt? Erste Anzeichen sind: Du planst den Abend um deinen Konsum und nicht den Konsum um deinen Abend. Für den Kick reicht die Stanni-Menge einfach nicht mehr. Du ziehst, ballerst, buffst alleine. Du lügst – über Menge und Häufigkeit. Schule, Uni, Arbeit, Beziehungen leiden. Deine Gesundheit macht nicht mehr mit. Du nimmst dir vor, weniger zu nehmen, und schaffst es schon wieder nicht.

Hits close to home? Mehrere wiederkehrende Warnzeichen sind ein Grund, hinzuschauen und sich Unterstützung zu holen. Wie immer haben wir Hilfestellen in der Caption verlinkt.

Und nur weil du nicht süchtig wirst, bist du noch lange nicht safe. Gestreckte Substanzen. Unbekannte Wirkstoffgehalte. Falsche Dosierungen. Mischkonsum. Langzeitfolgen. Das alles kann auch Leute treffen, die nie abhängig werden.